Nutzungsszenarien

Einsatz des TimberVetProof

Der TimberVetProof, aufsetzend auf dem Europäischen Qualifikationsrahmen im Holzbau, bietet für alle im Holzbau tätigen Personen und Organisationen eine Grundlage und Hilfe, Kompetenzen zu validieren und den Berufsbildungsrahmen im Holzbau weiterzuentwickeln.

Den Nutzern bleibt es überlassen, für sich geeignete Verwendungen individuell festzulegen. Im Folgenden finden sich dafür praxisorientierte Anwendungsfälle, die einem Validierungs- und Entwicklungsprozess unterzogen werden können. Sie zeigen exemplarisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie Nutzergruppen wie z. B. Fachfremde im Holzbau, Auszubildende, Fachkräfte, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Ausbilder oder Verbände das Prüftool nutzen können.

Für den erleichterten Einstieg sind Nutzungsszenarien bereits einzelnen Nutzergruppen zugeordnet. Ein Klick auf Nutzergruppen verschafft somit einen unmittelbaren Einblick in relevante Möglichkeiten der Validierung und Betrachtungen der Entwicklung. Den Prüf- und Entwicklungsanlässen sind bereits Empfehlungen für Prüf-Templates angefügt, die die praktische Grundlage für spätere Untersuchungen im Prüfportal bilden.

Anwendungsfälle – Beispiele aus der Praxis

1. Einzelpersonen (Fachfremde, Auszubildende, Fachkräfte im Holzbau)
  • Berufsorientierung vor Aufnahme einer Berufsbildung
    • Berufseinsteiger können im zeitlichen Vorfeld der Berufswahlentscheidung eine Sichtung der Berufsoptionen im Holzbau durchführen und erhalten einen Überblick darüber, welche Befähigungen mit einzelnen Qualifikationen eines Zimmerers verbunden sind und wie diese sich voneinander unterscheiden.
    • Interessenten erhalten Informationen über einzelne Qualifikationen und Möglichkeiten der Weiterqualifizierung im handwerklichen Holzbau aufgezeigt.
  • Kompetenzprofil erstellen
    • Berufseinsteiger aus anderen oder nahestehenden Wirtschaftsbereichen (Fachfremde) können dem Holzbau nahestehendes Wissen, Kenntnisse und Kompetenzen im Holzbau nachweisen.
    • Mitarbeitende in Holzbaubetrieben ohne formale Ausbildung erstellen ein persönliches Kompetenzprofil basierend auf ihrem non-formalen oder informellen Erfahrungshintergrund.
    • Personen mit formaler Ausbildung im Holzbau sind in der Lage ergänzend zur Vorlage formaler Bildungsabschlüsse ein aussagekräftiges handwerkliches Kompetenzprofil vorzulegen.
  • Kompetenzprofil validieren
    • Fachkräfte im Holzbau überprüfen ihr Kompetenzprofil unter Bezugnahme auf den Qualifikationsrahmen und erhalten eine schriftliche und grafische Auswertung ihrer Befähigungen und Entwicklungspotenziale.
    • Fachkräfte im Holzbau können aus ihrem Kompetenzstatus ersehen, welche Weiterqualifizierungen sie ins Auge fassen können.
    • Fachkräfte im Holzbau können im Zuge interner Stellenbesetzungen einschließlich damit verbundener Lohngruppenzuweisungen die Darstellung ihrer Eignung vorbereiten und argumentieren.
  • Entwicklungsperspektiven ableiten
    • Personen mit oder ohne formale Ausbildung im Holzbau können eigene Befähigungsgrenzen sichten und daraus Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung sowie der Aufstiegsqualifizierung in Betracht ziehen.
    • Personen erhalten einen Überblick über fehlende Inhalte in wichtigen Kompetenz- und Lernergebnisfeldern, um Befähigungslücken gezielt zu schließen.
  • Bewerbungen unterstützen
    • Personen können eigene Befähigungen im Abgleich mit erwarteten Kompetenzen in externen Stellenausschreibungen genauer einschätzen.
    • Personen können ihre Bewerbungen und darin enthaltenen Abschlusszeugnisse mit einem personenbezogenen Kompetenzprofil unterlegen.
    • Bewerbungen für Berufsengagements im Ausland (z. B. Auslandspraktika, Mobilitätsaktivitäten, dauerhafte Arbeitsaufnahme als Fachkraft im Holzbau) lassen sich mit Nachweis des persönlichen Kompetenzniveaus verständlicher und nachvollziehbar unterlegen.
2. Unternehmen im handwerklichen Holzbau
  • Status und Entwicklung von Befähigungen
    • Für bestehende und künftige Mitarbeiter können Kompetenz-Status und Kompetenz-Lücken schnell erfasst sowie Möglichkeiten des Kompetenzaufbaus und Perspektiven der Aufstiegsqualifizierung zügig und konkret ermittelt werden.
    • Unternehmen können aus dem Qualifikationsniveau von Personen aus anderen europäischen Ländern eine Vorstellung erhalten, was diese wissen, verstehen und in der Lage sind kompetent auszuführen.
  • Erstellung Stellenausschreibungen
    • Unternehmen können präzise und vergleichbare Stellenausschreibungen mit konkreten Kompetenzanforderungen formulieren.
    • Im Zuge von Stellenausschreibungen können potentielle Interessenten auf die Nutzung des TimberVetProofs hingewiesen werden.
  • Bewerberprofile überprüfen
    • Stellenbewerber können neben der Vorlage von beruflichen Abschlusszeugnissen oder zwischenzeitlichen Arbeitszeugnissen zum besseren Verständnis ihrer Qualifikation zur Vorlage eines persönlichen Kompetenzprofils veranlasst werden.
    • Kompetenzprofile von Bewerbern können in einem Matching-Prozess (Soll-Ist-Analyse) mit Kompetenzanforderungen in Stellenausschreibungen abgeglichen werden.
    • Initiativbewerbungen können hinsichtlich Eignung auf bestehende offene Stellen überprüft werden.
    • Die Einschätzung von Qualifikationsbescheinigungen aus dem europäischen Ausland wird durch konkrete Kompetenzfeststellungen verbessert.
  • Klärung Arbeitsplatzeinordnung im Bewerbungsprozess
    • Kompetenzprofile eingestellter Personen können als Grundlage für die Arbeitsplatzbeschreibung und darauf aufsetzende Arbeitsverträge genutzt werden.
    • Für Bewerber können im Zuge eines Soll-Ist-Abgleichs die bedingungslose Einstellung als Mitarbeiter, ein Kompetenzaufbau im laufenden Betriebsablauf, Möglichkeiten begleitender Fortbildungsmaßnahmen oder die Aussicht auf eine Aufstiegsqualifizierung geprüft werden.
  • Erstellung von Ausbildungsplänen
    • Unternehmen sind in der Lage, für Berufseinsteiger auf der Grundlage des digitalen EQF-Timber Ausbildungspläne für den betrieblichen Lernort zu erstellen und in der mittel- bis langfristigen Perspektive anzupassen.
  • Kompetenzstatus im Betrieb erfassen
    • Unternehmen sind in der Lage, für den Betrieb erforderliche Anforderungsprofile und Arbeitsplatzbeschreibungen zu erstellen.
    • Zur Feststellung des Kompetenzstatus im Betrieb können für die gesamte Belegschaft die bestehenden Kompetenzprofile erstellt und mit vorhandenen Anforderungsprofilen und Arbeitsplatzbeschreibungen abgeglichen werden.
    • Durch Soll-Ist-Abgleich im Zuge der Feststellung des Kompetenzstatus kann eine Ableitung des Entwicklungsbedarfes auf einzelnen Stellen erfolgen.
  • Fortbildungsformate bestimmen
    • Unternehmen können, basierend auf dem Entwicklungsbedarf, analoge, digitale oder kursbasierte Fortbildungsmaßnahmen (z. B. in Kooperation mit Bildungsträgern) in die Betrachtung nehmen.
3. Ausbildungsstätten / Bildungseinrichtungen
  • Bildungsangebot überprüfen und fortentwickeln
    • Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen analysieren im Abgleich mit dem Qualifikationsrahmen den aktuellen Stand ihrer Curricula und identifizieren mögliche Erweiterungen.
  • Lerninfrastruktur aufbauen
    • Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen sind in der Lage, den geforderten Lernergebnissen und Qualifikationsniveaus Fächer, Lerninhalte, Lernmittel und individuelle Leistungen zuzuordnen.
  • Neue Bildungsangebote formulieren
    • Ausbildungsstätten definieren vor dem Hintergrund bislang nicht vorhandener formaler Ausbildung oder der Implementierung eines Berufsbildungsrahmens im Holzbau den vorrangigen Ausbildungsbedarf.
    • Bildungseinrichtungen definieren für Schlüsselkompetenzen analoge, digitale und kursbasierte Kompetenzformate der Fort- und Weiterbildung, die als Micro-Credentials formale Ausbildungsgänge flankieren oder zeitweise ersetzen können. Diese können an der Bildungsstätte oder in Kooperation mit anderen Bildungsstätten umgesetzt werden.
  • Kompetenzstatus des Ausbildungspersonals prüfen
    • Ausbildungsstätten (Betrieb, Berufsschule, Überbetriebliche Ausbildungsstätten) überprüfen, ob die Ausbilder über die notwendigen Kompetenzen verfügen und definieren gezielte Ausbaustufen der Ausbilderkompetenz.
  • Mobilitätsaktivitäten flankieren
    • Die Entsendung von Lernenden, Auszubildenden, Fachkräften und Ausbildern über Auslandsaufenthalte zu Lern- und Erfahrungszwecken im europäischen Holzbau verlangt, dass lernende Personen sowie aufnehmende Organisationen sich im Vorfeld der Mobilitätsaktivität im Hinblick auf einen fruchtbaren Austausch über geforderte bzw. vorhandene Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen austauschen. Entsprechende Profile können analog zum Matching-Prozess zwischen Bewerber und Unternehmen erstellt werden.
  • Internationale Kooperationen in der Berufsbildung
    • Bildungsstätten können ihr Bildungsspektrum durch internationale Angebote zur Kooperation in der Berufsbildung, z. B. mit Errichtung kursbasierter Seminarangebote oder gemeinsamer Nutzung digitaler Bildungsplattformen, erweitern.
    • Bildungsstätten im Aufbau können Angebote zur gezielten strukturellen und inhaltlichen Entwicklung zum nationalen Kompetenzaufbau nutzen.
4. Ausbilder / Lehrpersonal
  • Lehrkompetenz definieren
    • Ausbilder erfassen und reflektieren ihre spezifische Lehrkompetenz, um diese im Rahmen des Kompetenzrahmens gezielt weiterzuentwickeln.
  • Train-the-Trainer-Programme entwickeln
    • Bildungseinrichtungen sondieren zusammen mit ihren Ausbildern kurz- und mittelfristige Maßnahmen zur gezielten fachlichen Weiterentwicklung im Rahmen von Train-the-Trainer-Programmen.
5. Holzbauverbände
  • Inhaltliche Entwicklung des Berufsbildungssystems für den Holzbau
    • Verantwortliche für die Berufsbildung können inhaltliche Rahmenbedingungen für die Berufsbildung im Holzbau mit den Verhältnissen in anderen europäischen Ländern abgleichen und einordnen.
    • Verantwortliche für die Berufsbildung in europäischen Ländern nutzen den EQF-Timber, um im Zuge des Aufbaus oder der Neuausrichtung der Berufsbildung im Holzbau inhaltliche und formale Grundlagen der Ausbildung zu definieren.
  • Nationale Qualifikationsrahmen (NQR) erstellen
    • Verantwortliche für die Berufsbildung in europäischen Ländern ermitteln durch Abgleich der im landesspezifischen Rahmen gegebenen Lernangebote / Lernergebnisse mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen im Holzbau die Grundlage für die Abfassung eines Nationalen Qualifikationsrahmens im Holzbau (NQR Holzbau).
    • Verantwortliche der Berufsbildung können ausgehend von einem bestehenden Nationalen Qualifikationsrahmen im Holzbau die mittel- bis langfristige Weiterentwicklung des NQR Holzbau ermitteln.
  • Festlegung und Entwicklung von Curricula
    • Verantwortliche für die Berufsbildung nutzen vor dem Hintergrund bislang nicht vorhandener formaler Ausbildung oder der erstmaligen Implementierung eines Berufsbildungsrahmens im Holzbau den EQF-Timber, um vorrangige oder herausgehobene Schwerpunkte der Grundbildung im Holzbau zu definieren und erste Maßnahmen der Inhalte eines Curriculums zu erarbeiten.
    • Mit dem landesspezifischen NQR besteht eine wichtige strukturelle und inhaltliche Grundlage, um Rahmenlehrpläne und Ausbildungspläne für die Ausbildung im handwerklichen Holzbau abzuleiten.

Die vorgestellten Szenarien für mögliche Einsätze des TimberVetProof bilden die Grundlage für die Durchführung konkreter Prüf- und Entwicklungsvorgänge. Schon hier können Interessenten eine Vorstellung darüber gewinnen, welcher Nutzergruppe sie angehören und welche Untersuchungsanlässe für sie gegebenenfalls von Bedeutung sind. Die Untersuchungsanlässe enthalten bereits empfohlene Wegweiser für geeignete Prüfungsbögen (Templates). Den Ausgangspunkt und weitere Informationen für den Übergang zur praktischen Umsetzung erreichen Sie durch einen Klick auf den Button.

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